28.02.2016 Hassia Kempten-TSVgg II

Und sie können es doch noch

FV Hassia Kempten – TSVgg Stadecken-Elsheim II 2:3 (0:0)

FV Hassia Kempten: Dessoy, Schier, Steinacker M., Bodtke, Stengel, Savas, Deibele, Baldenbach (76., Michel), Bernd, Steinacker G., Krick (59., Zimon)

TSVgg Stadecken-Elsheim II: Hofmann, Hintsch F., Sieben, Scherffius, Haar (56., Sattler), Kegler Ph., Cramer (68., Klein), Luff, Uphues, Kegler P., Krützfeld (75., Doll)

Tore: 1:0 Deibele (66., FE), 1:1 Uphues (72.), 1:2 Uphues (76.), 2:2 Bernd (83.), 2:3 Kegler P. (90.+3, FE)

Gelb-Rote Karte: Sattler (90., TSVgg Stadecken-Elsheim II, wiederholtes Foulspiel)

Zweihundertvierundsiebzig! So viele Tage mussten seit dem 29. Mai 2015 vergehen, bis am Sonntag, dem 28. Februar 2016 die Zweite Mannschaft mal wieder einen Pflichtspielsieg erringen konnte. Doch von Beginn an.

Nach einer desolaten Vorrunde mit mickrigen drei Punkten, keinem Sieg und dem letzten Platz in der B-Klasse Mainz-Bingen West, trat in der Vorbereitung Trainer Andreas Autenheimer zurück und es übernahm, zunächst bis Saisonende, der Spielausschussvorsitzende Willi Wünsch. Seine Ziele waren klar: konzentriert und hart trainieren, um die minimale Chance auf den Klassenerhalt noch erhalten zu können. Nach hoffnungsvollen Darbietungen in den Vorbereitungsspielen sollte sich schon mit dem ersten Pflichtspiel des Jahres 2016 die Chance bieten, die Ziele anzugehen.

Gegner war der FV Hassia Kempten. Normal nicht zu steigern, musste man bei diesem Spiel vom dem Abstiegsendspiel überhaupt für die Spieler des TSVgg sprechen, war doch allen klar, dass es bei einer Niederlage dann nicht nur neun Punkte Abstand auf den vorletzten Platz gewesen wären, auch wäre das gerade etwas aufkommende positive Gefühl zugleich wieder im Keim erstickt worden.

Und so ging es in ein Spiel, bei welchem die äußeren Bedingungen die Tabellensituation wiederspiegelte. Diesiges, kaltes Wetter und eine Begegnung auf Ascheplatz, welcher jedoch überraschend gut zu bespielen war.

Beide Mannschaften, im Wissen um die Tabellensituation, begannen nervös und waren darauf bedacht, keine Fehler zu machen. So entwickelte sich im Verlauf der ersten Halbzeit ein Spiel, welches sich zumeist zwischen den Strafräumen abspielte. War man auf Seiten des TSVgg darauf bedacht, in der Defensive nichts zuzulassen und selbst Offensiv über die Außenbahnen zu agieren, versuchten sich die Kemptener mit langen Bällen oder mit Solis ihres Zehners Bernd. Offensive Glanzstücke ergaben sich daraus kaum. Die Zweite wurde zunächst nur nach Standards gefährlich und die Möglichkeiten der Gastgeber konnte der sichere Rückhalt Haucke Hofmann parieren. Also endete die erste Halbzeit gerechterweise mit einem torlosen Unentschieden, welche jedoch auch eines zeigte: es war kein Spiel für Fußball-Romantiker und gerade die Gastgeber zogen in der ersten Halbzeit schon das eine oder andere härtere Foul.

Zurück auf dem Platz, man wollte nun auf das erste Tor gehen, ohne dabei jedoch die sichere Grundordnung zu verlieren. Nur: anlaufen wollte dieses Vorhaben so gar nicht. Ganz im Gegenteil. Mit Beginn der zweiten Hälfte klappte plötzlich nichts mehr. Die aus der Abwehr herausgespielten Bälle wurde viel zu schnell im Mittelfeld abgegeben und so ergaben sich mehrere Möglichkeiten für Kempten, welche die jedoch nicht gut ausspielten. Die Führung für den FV lag nun in der Luft und sollte in der 66. Minute auch fallen, wenn auch mit einem faden Beigeschmack. Als der ansonsten sicher spielende Fabrice Scherffius an der Strafraumkante den Ball eigentlich schon sicher hatte, ließ er sich diesen doch noch einmal wegspitzeln und konnte seinen Gegenspieler nur mit einem Foulspiel stoppen. Der Kemptener Stürmer fiel dabei zwar in den Strafraum, das Foul selbst fand jedoch klar vor diesem statt, was jedoch der Schiedsrichter anders sah und auf Elfmeter entschied. Für diesen trat Deibele an, verlud Keeper Haucke Hofmann und versenkte den Ball sicher im Eck zum 1:0. Erinnerte man sich nun mit einem Grauen an die Vorrunde zurück, bei welcher nach solch einem Treffer die Mannschaft meist zusammengebrochen wäre, war dies an diesem Tag nicht zu spüren. Das Gegenteil war der Fall. Der Gegentreffer schien die Mannschaft nun wieder aufgeweckt zu haben und jeder Spieler ging nun noch einmal an seine Leistungsgrenze. Dieser Aufopferungswille wurde schließlich in der 72. Spielminute belohnt, als der gerade eingewechselte Dominik Klein über die rechte Außenbahn auf die Reise geschickt wurde, von dort den im Strafraum befindlichen Alexander Uphues bediente und dieser erst seinen Gegenspieler ausspielen konnte um im Anschluss den Torwart der Gastgeber keine Chance ließ.

Nun war man am Drücker und nur vier Minuten später sollte sogar das 1:2, wieder durch Alexander Uphues, gelingen. Einen langen Ball aus der Abwehr des TSVgg ließ sich durch die FV-Verteidigung nicht kontrollieren, der Stürmer der Zweiten konnte ihn erobern und ließ im 1 gegen 1 auch dieses Mal dem Torhüter keine Chance.

Hoffnung keimte auf, den ersten Sieg endlich erringen zu können. Doch sollte diese nicht lange währen. Auch Kempten war sich der Lage bewusst uns warf nun noch einmal alles nach vorne, was schließlich auch mit dem 2:2 durch Bernd in der 83. Minute belohnt wurde.

Der Ausgleichstreffer war aber auch nur der Startschuss für eine hektische Schlussphase. Nach zwei taktischen Fouls, welche für die Zweite Mannschaft jedoch ungemein wichtig waren, musste in der 90. Minute Patrick Sattler das Feld vorzeitig verlassen. Abseits dieser Aktion kam es dabei jedoch zu einer unschönen Aktion von Seiten der Kemptener, als Bernd Abwehrspieler Florian Sieben im allgemeinen Getümmel mit der Faust ins Gesicht schlug. Eine Tätlichkeit und nicht die erste rohe Aktion des Kemptener Spielers, welcher jedoch gänzlich ohne Karte davonkam. Als dann endlich wieder Fußball gespielt werden konnte sollte es zur letzten, der entscheidenden Situation des Spiels kommen. Einen Befreiungsschlag von Philippe Kegler, wollte ein Kemptener Spieler zu seinem Keeper zurückköpfen. Der Ball jedoch zu kurz. Timo Hintsch kann dazwischen gehen, den Ball am Torwart vorbeilegen und wird gefoult. Elfmeter! In der 93. Minute. Pierre Kegler tritt an und versenkt ihn, mit Hilfe beider Innenpfosten zum 2:3 -Siegtreffer, denn das Spiel wurde erst gar nicht mehr angepfiffen.

Erleichterung, Freude und Jubel prägten die nächsten Minuten. Doch auch die Erkenntnis, dass auch dieser Sieg nur der erste Schritt war und nicht der letzte sein darf, will man das Sensationsziel Klassenerhalt tatsächlich noch erreichen.